Dienstag, 7. Juli 2009

Propaganda?.

Gestern ging noch einmal ausführlich die Einführung einer Tapferkeitsmedaille für Soldaten der Bundeswehr durch die Medien. Angela Merkel hat zum ersten Mal seit 60 Jahren nun solche Orden verliehen. Ohne die Diskussion um Sinn oder Unsinn, Rechtfertigung etc. bzgl. des Afghanistan-Einsatzes aufzugreifen, befürchte ich, dass es bei dieser Aktion neben der Ehrung der Soldaten v.a. darum geht, in der Bevölkerung eine größere Zustimmung zu Bundeswehr und Auslandseinsätzen zu erreichen. Ich finde, Soldaten dürfen durchaus geehrt werden, wenn sie ehrenhaft gehandelt haben, aber muss das denn mit einer Medaille geschehen, die optisch und historisch an das Eiserne Kreuz angelehnt ist? Muss man mit einem Symbol nationalsozialistischer Propaganda heute das Volk zu seinen Gunsten stimmen und zu ein bissjen mehr Patriotismus erziehen (auch das ist Propaganda)? Und wie verwerflich sind solche Rufe nach mehr Zustimmung zu Auslandseinsätzen in Zeiten, in denen Deutschland seine Waffenexporte massiv steigert und mittlerweile drittgrößter Waffenexporteur der Welt ist? Ich bin der Meinung, wenn die deutsche Regierung wirklich sichtbar für den Frieden in der Welt eintreten würde, dann würde das vom Volk auch honoriert. Wenn man jedoch selbst spürbar aufrüstet und dazu noch andere Länder mit Waffen versorgt (Hagen Rether: "Wir liefern denen Waffen und die machen alles kaputt. Hätten die nicht schöne Sachen machen können aus den Waffen?"), muss man sich nicht wundern, wenn es Kritiker gibt. Und solche Symbolhandlungen werden das gewünschte Umdenken in der Bevölkerung bestimmt nicht in die gewünschte Richtung lenken...
Zum Weiterlesen

- rotstehtunsgut.de: Remilitarisierung der Gesellschaft oder notwendige Anerkennung von „Leistung fürs Vaterland“?
- FR-Leitartikel: Anstößiger Orden
- netzgegennazis.de: Eisernes Kreu - Orden für Massenmord
Und für die Lesefaulen:
- Georg Schramm als Oberstleutnant Sanftleben (5-teilig und sehr lange, aber auch sehr sehenswert)

Kommentare:

  1. Also erstmal möchte ich den Artikel von Dieter Pohl auf netzgegennazis.de empfehlen, da schreibt wirklich jemand mit Ahnung.

    Soweit ich die Diskussion verfolgt habe sollte ein Orden eingeführt werden, damit eine Tapferkeitsmedaille vorhanden ist, die für besondere Leistungen verliehen werden kann. Die bisherigen Auszeichnungen heimste man einfach nach ein paar Jahren Dienstzeit ein (soweit mein Kenntnisstand). So eine Tapferkeitsmedaille ist auch in anderen demokratischen Ländern vorhanden und Deutschland(ohne eine solche) war wohl eher die Ausnahme.

    Es ist einfach eine Zusatzstufe zu diesen "Zeitorden" und sieht auch ziemlich genau gleich aus. Die anderen Orden gibt es auch schon 30 Jahre (heißt Ehrenzeichen der Bundeswehr). Dieses Tatzenkreuz ist nämlich das Hohheitszeichen der Bundeswehr. Sie hat es auf jedem Panzer und so. Es geht zurück auf Preußen und den Deutschen Orden. Insofern verstehe ich manche Kritik nicht ganz, bzw. kommt sie etwa 50 Jahre zu spät.

    Wenn man das Eiserne Kreuz wiedereingeführt hätte, dann hätte ich die Kritik besser verstanden. Obwohl das auch ursprünglich in den napoleonischen Freiheitskriegen gestiftet wurde, hat es doch einen bitteren Beigeschmack durch den 2. WK bekommen. Aber selbst da war es eigentlich noch ein reiner Tapferkeitsorden, der dann leider auch missbraucht wurde, um schlimme Verbechen, wie Massenmorde "auszuzeichnen". Dies widerspricht natürlich jedem Verleihungssinn.
    Ich finde aber gerade wenn man sich dessen bewusst ist, hätte man es einführen können: "Ja es ist von den Nazis wirklich missbraucht worden, aber gegen den Sinn des Symbols, das ursprünglich aus den Freiheitskriegen stammt."
    Ich glaube wir tuen uns generell schwer mit dieser Symbolik, aber eben auch weil viel, rein faktisches Wissen, unklar ist und man immer so ein Gefühl hat "achja, die Nazis". Aber gerade wenn man die negativen Seiten ausreichend beleuchtet und sich auch immer bewusst macht, halte ich sowas für gerechtfertigt.

    Das mit den Waffenexporten sehe ich auch nicht so kritisch. 57% gehen nach Europa, 1/3 dann noch an Südafrika, Griechenland, Türkei. Da sind sicher einige Wackelkandidaten dabei, aber eigentlich sind das ja schon Demokratien. Im Artikel wird ja auch genannt, dass halt zur Zeit deutsche Musterprodukte wie U-Boote und sowas gefragt sind, daraus schließe ich, dass nicht unbedingt eine deutsche Rüstungsoffensive gestartet wurde.
    "Die Aufrüstung der Bundeswehr" sehe ich als notwendige Modernisierung an. Es sieht halt so aus, dass der Verein weltweit mit kleineren Kontingenten operiert. Da braucht man nicht mehr 5 Millionen Soldaten, sondern wenige Spezialisten, die perfekt ausgerüstet sind. Die kaufen da ja auch keine Flugzeugträger, sondern neue Drohnen, Mannschaftstransporter, Eurofighter etc. Die Anzahl der Soldaten wird ja auch zurückgefahren, meiner Meinung nach wäre es sehr Konsequent ein Berufsheer (oder gar teilweise Söldnerheer) einzuführen, aber da gibt es halt noch die Zivi-Problematik.
    Vielleicht noch ein Wort zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Klar denken viele, was wir da überhaupt wollen und was es bringt. Aber Afghanistan ist ein Natoeinsatz mit Zustimmung des Weltsicherheitsrates. Die USA rufen nach mehr Truppen, nicht weniger. Sie fordern vermehrt Kampeinsätze in heikleren Regionen. Man muss halt auch überlegen, wie man sich als Bündnispartner verhält...
    Gruß, Simon

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  2. Naja.
    Die erste Strophe des Deutschlandlieds will ich auch nicht mehr hören (erst recht nicht offiziell als Nationalhymne), auch wenn sie ursprünglich eine andere Bedeutung hatte.
    Und auch wenn das Hakenkreuz eigentlich irgendein indisches Sonnensymbol ist, ist die Symbolik nunmal mit schrecklichen Verbrechen belegt und deshalb völlig zu Recht verfassungswidrig.
    Das Eiserne Kreuz würde ich durchaus in diese Reihe stellen. Gerade durch den tatsächlich sehr guten Artikel von Dieter Pohl wird das "warum" auch nochmal schön ausgeführt.

    Mein vorrangiger Kritikpunkt ist allerdings, dass man solche Symbolik jetzt wieder zur Meinungsmache benutzt und einige Tatsachen ausblendet.
    Die Rüstungs- und Waffenexportproblematik sehe ich da etwas nüchterner. Mir ist es relativ egal, wer mit Waffen beliefert wird. Waffen sind dazu da um Menschen zu töten und Geld damit zu verdienen ist perfide.
    Und dass eine Einflussnahme auf die Politik stattfindet, ist ja seit den Zeiten von Karlheinz Schreiber auch kein Geheimnis mehr. (Auch wenn das jetzt wohl ein bissjen geschickter abläuft)

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